Gicht: Diagnose
Gicht (Hyperurikämie)
Definition
Durch ausgefallene Harnsäurekristalle bei meist jahrzehntelanger Hyperurikämie bedingte akute Arthritis, die im Lauf der Zeit in eine chronische Polyarthritis mit Tophi und eventuell Nierenbeteiligung übergeht.
Häufigkeit
Häufigste Monarthritis des Mannes (2,8% erkranken bis zum 65. Lebensjahr); Prävalenz der Hyperurikämie bei Männern 20–28%, bei Frauen 2,5%. Häufigkeit der Arthritis urica abhängig von der Höhe der Harnsäurekonzentration.
Klinische Stadien
Die Wahrscheinlichkeit eines Gichtanfalls nimmt mit steigendem Harnsäurespiegel im Serum zu, aber 95% der Personen mit Hyperurikämie bleiben zeitlebens symptomfrei. Wenn kein Hinweis auf sekundäre Ursachen und 24h-Harnsäureausscheidung im Harn nicht erhöht (<1g/24h) lediglich Diätberatung indiziert.
Mögliche Ursachen der seltenen sekundären Hyperurikämie
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Vermehrte Harnsäurebildung
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Verminderte Harnsäureausscheidung
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Hämatologische Erkrankungen
Chemo-/Strahlentherapie Purinreiche Kost Fasten |
Nierenkrankheiten Hyperlaktazidämien hohe Alkoholspiegel Glukose-6-phosphatase-Mangel Bartter-Syndrom Ketoazidose Fasten Diabetes mellitus Bleivergiftung Arzneimittel</p>
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Akuter Gichtanfall
Der erste Anfall manifestiert die Arthritis urica.
Symptome
- typisch: Beschränkung auf ein Gelenk (meist Großzehengrundgelenk, seltener Rist)
- ausgeprägte Berührungs- und Erschütterungsschmerzhaftigkeit
- Rötung und Überwärmung
- evtl. subfebrile Temperaturen
- Dauer: unbehandelt wenige Tage
- rasche Besserung durch NSAR oder (wenn NSAR kontraindiziert) Kortikosteroide
- anfallsfreie Intervalle zunächst oft Jahre, später zunehmende Anfallsfrequenz
- Manifestationsfaktoren: Alkoholexzess (vor allem Bier), Purine (Gulyas, Rindsuppe, Innereien), protrahiertes Fasten (Nulldiät)
Diagnostik
- CRP erhöht
- Leukozytose
- Harnsäure im Anfall nicht unbedingt erhöht
- Beweis durch doppelbrechende intrazelluläre Harnsäurekristalle im Gelenkpunktat
Interkritische Gicht
Anfallsfreie Intervalle bei persistierender Hyperurikämie, anfangs zum Teil über Jahre. Später dann immer kürzere Intervalle bei zunehmender Frequenz der Anfälle (Rezidivwahrscheinlichkeit 60% innerhalb von 10 Jahren).
Chronisch-tophöse Gicht
Bei fehlender Therapie trotz mehrerer Anfälle Intervall immer kürzer; längere, etwas weniger ausgeprägte Anfälle; Rekrutierung weiterer Gelenke bis zur chronischen Polyarthritis. Tophi mit ausgestanzten gelenknahen Defekten und ausgeprägter Gelenkzerstörung, aber auch in Schleimbeuteln bzw. an der Ohrmuschel
Eventuell parallel Uratnephropathie.
Symptome
- Anfälle weniger akut, aber länger und polyarthritisch, eventuell auf Dauer ohne Intervalle
- Fehlstellung von Gelenken
- sichtbare Tophi, Hautveränderungen der Finger
- evtl. Symptome von Uratsteinen der harnableitenden Organe
- heute sehr selten Symptome der Niereninsuffizienz bei Uratnephropathie
Diagnostik
- Harnsäure in Serum und 24h-Harn
- doppelbrechende intrazelluläre Harnsäurekristalle im Gelenkpunktat
- typische Befunde in Röntgenaufnahmen, Sonographie, MRT
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